Der typische Deutsche trägt Lederhose, schuhplattelt den lieben langen Tag und trinkt Bier in unvorstellbaren Mengen. Soweit die nicht ganz objektive Sicht des Auslands. Doch die ist, was Bier angeht, gar nicht so weit hergeholt. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2006 in Deutschland insgesamt 92 Hektoliter Bier getrunken, was pro Einwohner einem stattlichen Durchschnittsverbrauch von jährlich 111,6 Litern bzw. einer kleinen 0,3 Liter-Flasche täglich entspricht. Bier ist in Deutschland und dort natürlich vor allem in Bayern Volksgetränk Nummer Eins mit jahrhundertealter Tradition. Einer heiß geliebten Tradition, der in München schon seit 1810 auf dem Oktoberfest gefrönt wird. „Ozapft is!“ und der Gerstensaft fließt in Strömen durch dürstende Kehlen nicht nur aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt.
Weder zu Hause noch im Ausland möchten die Deutschen auf Weizen, Pils oder Helles verzichten und exportieren daher fleißig in viele Länder weltweit. Doch nicht nur ihre Vorliebe für Bier, auch ihre Brauereikunst haben die Deutschen ins Ausland mitgenommen. Ancestry, die zentrale Quelle für Ahnen- und Familienforschung im Internet, hat nachgeforscht: So manche Bierbrauerei Nord- und Südamerikas aber auch Afrikas oder sogar Chinas hat zum Beispiel ihre Wurzeln in Deutschland. Die meisten wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts von ausgewanderten Deutschen gegründet, die ihr Handwerk exportiert haben.
Dies belegen zum Beispiel Originalunterschriften aus den Hamburger Passagierlisten von 1850 bis 1934 – spannende Zeitzeugnisse und eine der wichtigsten europäischen Quellen zur Auswanderungsgeschichte der Deutschen mit Informationen zu rund fünf Millionen Emigraten aus ganz Europa.
Von einem der auszog, Bier zu brauen
D.G. Yuengling & Son, die älteste Bierbrauerei US-Amerikas, wurde von deutschen Einwanderern gegründet
1823 beschloss der deutsche Bierbrauer David G. Jüngling, aus dem beschaulichen württembergischen Aldingen auszuwandern, um in den Staaten ein neues Leben anzufangen. Der leichteren Verständlichkeit wegen änderte er die Schreibweise seines Namens in Yuengling und gründete bereits im Jahre 1829 in Pottsville, Pennsylvania, seine eigene Brauerei, die „Eagle Brewery“. Der Adler ist bis heute das Symbol der immer noch in Familienbesitz befindlichen Firma, die heute jährlich 1,4 Mio. Hektoliter Bier produziert. Die deutsche Abstammung wurde indes nicht vergessen. So wurde dort bis 1994 das „Old German“ gebraut, ein leicht süßes Lager, das in kleine braune Flaschen abgefüllt wurde.
Ancestry zeigt: Die Wurzeln von fünf beliebten amerikanischen Brauereien – Anheuser-Busch, Miller, Coors, Best und Yuengling – gehen auf sieben deutsche Emigranten zurück.
Deutsche Bierbrauerkunst ist sogar Teil der deutschen Kolonialgeschichte: So wurde 1904 in Qingdao, dem kolonialen Marinestützpunkt in China, die bis heute erfolgreichste chinesische Brauerei gegründet. An der Germania-Brauerei, heute Tsingtao Brauerei, hält Anheuser-Busch übrigens 27 Prozent.
Übrigens: Die älteste Brauerei überhaupt ist die Brauerei Weihenstephan und sie liegt – natürlich in Bayern.
Wie die Preußen das Bier nach Namibia brachten
Hamburger Passagierlisten auf Ancestry bringen es ans Licht
Preußisches Bier? Für die Bayern ein unvereinbarer Gegensatz. Nicht aber für die Bierkenner aus Namibia. Dort braut nämlich seit 1920 die Namibia Breweries Limited ihr ganz eigenes Bier, das sogar vor zwei Jahren den härtesten Biertest der Welt, den DLG Qualitätswettbewerb, mit Auszeichnung bestand. Preußisch deshalb, weil die Brauerei von den beiden deutschen Auswanderern Hermann Olthaver aus Ostfriesland und Carl List aus Berlin gegründet wurde. Die beiden von wirtschaftlichem Pioniergeist Beseelten hatten mit der Brauerei aufs richtige Pferd gesetzt: Ihr Unternehmen ist heute der größte Getränkehersteller des Landes. Wobei der Erfolg sicher auch an der umfassenden Ausbildung des Nachwuchses liegt: Jeder Lehrling wird nach der Grundausbildung in Windhoek, inklusive Mälzerausbildung, fern der Heimat auf eine Berufsschule in Deutschland geschickt.
Auf Ancestry können Sie die Spuren der beiden erst 25-jährigen deutschen Firmengründer vom Ablegen der Dampfschiffe in Hamburg 1905 und 1909 finden – belegbar durch die Hamburger Passagierlisten, die Ancestry zur Verfügung stellt – bis zur Ankunft in Namibia und zum Aufbau der Brauerei in den 20er Jahren.
O’zapft is’ – Oktoberfest von Kanada bis Brasilien!
German beer und German Gemütlichkeit sind in den kanadischen Nachbarörtchen Kitchener und Waterloo äußerst beliebt. Deshalb findet dort jedes Jahr im Oktober das Kitchener-Waterloo Oktoberfest statt, das größte Oktoberfest außerhalb Bayerns – welches natürlich das fast 200 Jahre alte Original zum Vorbild hat. Viele Bewohner dort haben deutsche Vorfahren und sprechen sogar noch ganz passabel Deutsch. Dennoch wird kein Klischee ausgelassen: Die beiden Maskottchen des Festivals heißen Onkel Hans und Tante Frieda und tragen bayerische Tracht. Dazu hält Hans einen Bierkrug in der einen und eine Wurst in der anderen Hand.
Doch nicht nur Kanadier kennen das German Bierfest, auch in den Vereinigten Staaten wird von Wisconsin bis Texas kräftig gefeiert und dem Gerstensaft gehuldigt. Und wenn man den Blick auf der Landkarte noch ein bisschen weiter nach unten schweifen lässt, findet man sogar in Südamerika Ableger davon. So zum Beispiel im brasilianischen Städtchen Blumenau, dessen Name auf die Stadtgründung 1850 durch den aus dem Harz stammenden Dr. Hermann Otto Blumenau zurückgeht. Unter tropischer Sonne und inmitten deutscher Fachwerkhäuser, feiern hier jedes Jahr bis zu 600.000 Menschen das Oktoberfest. Noch heute haben 40 Prozent der Einwohner deutsche Vorfahren.
Krachlederne, Dirndl, Volksmusik und Bier – so einfach geht Oktoberfest! Von Norden bis Süden zelebriert der amerikanische Kontinent das bayerische Original.
Das Grundrezept wird dabei von ihren Nachfahren recht großzügig interpretiert – oder haben Sie schon einmal vom Rocktoberfest, Dogtoberfest oder der brasilianischen Oktoberfestkönigin gehört?
Im Namen der Dose
Zwei deutsche Bierbrauer in Amerika sorgen für eine kleine Revolution
Auf dem Oktoberfest natürlich völlig undenkbar, und aus Umweltgründen mittlerweile eine aussterbende Verpackungsart: Am Dosenbier scheiden sich die Geister. Doch woher stammt die Idee, Bier nicht mehr in Flaschen oder Fässer, sondern in handliche und unzerstörbare Aluminiumbehälter zu füllen? Sie kommt aus Amerika. Dort brachte die Gottfried Krueger Brewing Company, deren deutscher Gründer Gottfried Krueger 1926 starb, zum Ende der Prohibition 1933 die erste Bierdose aus Weißblech auf den Markt.
Das langjährige Alkoholverbot hatte die Nachfrage nach Bier enorm gesteigert, aber eine langfristige Lagerung des Bieres in Flaschen und Fässern verschwendete zuviel Platz. Die glitzernden Dosen, die noch mit einem Spezialöffner aufgehebelt werden mussten, verkauften sich daher auf Anhieb prächtig. Auch die Brauerei des Mainzer Einwanderers Joseph Schlitz, die Joseph Schlitz Brewing Company, nahm sich am Erfolg Kruegers ein Beispiel und präsentierte kurze Zeit später ebenfalls das erste Dosenbier. Deutschland musste übrigens noch lange auf die neue Erfindung warten: Erst 1951 wurde hier die Bierdose eingeführt.